25.05. 26 , Markus Schaedel
Am 5. und 6. Juni 2026 ist wieder Fair-Weather-Fest im Bremer Viertel – nach dem erfolgreichen Debüt nun mit vier Bühnen, noch mehr Bands und demselben unerschütterlichen DIY-Ethos
Es begann mit einer Pizzarunde. Frühjahr 2024, vier Freunde, eine Idee: Yannic Arens und Laurin Rutgers – beide spielen in der Bremer Band Phantom Bay – hatten kurz zuvor beim legendären The Fest in Gainesville, Florida, gespielt, einem der ältesten dezentralen DIY-Punk-Festivals der Welt. Claas Reiners kannte das vergleichbare Booze Cruise Festival in Hamburg. Die Frage, die sich an dem Abend stellte: Warum macht das niemand in Bremen? Im Viertel, mit seinen dicht gedrängten Clubs und einer aktiven Punk-Hardcore-Szene?
Im Juni 2025 hatten Arens, Rutgers, Reiners und Christopher Hollmann – inzwischen als GbR formiert – die Antwort parat: das Fair-Weather-Fest, ein dezentrales Indoor-Festival, das mehrere Clubs rund um die Sielwallkreuzung gleichzeitig bespielte. Wer ein Festivalbändchen trug, bewegte sich frei zwischen Kulturzentrum Lagerhaus, Lila Eule, Calavera und dem Eisen als Überraschungslocation. Alle Bands spielten exakt dreißig Minuten – egal ob bekannte Namen oder Newcomer aus der Szene.
Das Debüt war ein voller Erfolg. Am ersten Festivaltag waren nur noch rund zehn bis fünfzehn Tickets an der Abendkasse verfügbar – und auch die gingen weg. Rund 400 Besucherinnen und Besucher waren dabei. Das Bremer Onlinemagazin hb-people konstatierte schlicht: „Wiederholungsbedarf.“ Das Musikportal be-subjective lobte das „lockere, offene Konzept ohne Konsumzwang“, ein „wirklich entspanntes Publikum, ohne Schnapsleichen, grenzüberschreitende Typen oder gewaltsame Moshpits“ – und eine Bandauswahl, die „ganz hervorragend“ gewesen sei.Interview-Claas-Fair-Weather-Fest-transcript.docx+1
Für Claas Reiners zählte aber noch etwas anderes: „Was noch viel schöner war, ist einfach, dass so eine Community entstanden ist. Draußen haben sich Grüppchen gebildet, die sich über die Shows unterhalten haben, dann zusammen ein Konzert gegangen sind, essen gegangen sind. Leute, die sich lange nicht gesehen hatten, haben sich wiedergefunden. Oder sich neu kennengelernt.“
Noch auf der Bühne, beim Auftritt von Phantom Bay am Samstagabend, gab Laurin Rutgers das Datum für die zweite Ausgabe bekannt. Das Rezept bleibt: Indoor, dezentral, dreißig Minuten pro Band. Was sich ändert: Das Festival ist gewachsen – und zwar bewusst dosiert.
Statt drei Bühnen pro Abend gibt es 2026 vier vollwertige Stages. Das Eisen, das im Vorjahr noch als Überraschungslocation galt und beim Auftritt von Wax Minds buchstäblich aus den Nähten platzte, ist jetzt fester Bestandteil neben Lagerhaus, Lila Eule und Calavera. Das bringt eine Neuerung mit sich: Auf den kleineren Bühnen laufen die Sets erstmals teils parallel. Claas Reiners erklärt den Gedanken dahinter: „Der Nachteil ist, dass man sich entscheiden muss. Der Vorteil ist, dass auf jeden Fall irgendwo ein Konzert zu sehen ist – letztes Jahr war es eben so, dass man auf der kleinen Bühne irgendwann einfach nicht mehr reinkam, weil sie voll war.“Fair-Weather-Fest-Bremen-Ein-dezentrales-DIY-Festival-und-seine-Geschichte.docx+1
Das Line-up umfasst rund 31 Acts plus Special Guests – ein breites Feld aus Melodic Hardcore, Post-Hardcore, Emo, Punkrock und Singer-Songwriter-Ausreißern, soweit sie zum Geist des Festivals passen. Ein Ausschnitt: Pabst, Brockhoff, Shooting Daggers, Between Bodies, Jared Hart, Emperor X (bereits zum zweiten Mal dabei), Chartreux, State Power, City Light Thief, Eaten By Snakes, Scheitern und Dramatist. „Alle kommen irgendwie aus dem Punk-Rock-Bereich“, sagt Reiners, „aber sie definieren das für sich auf unterschiedliche Arten und Weisen. Wir haben keine Hip-Hop-Band oder Metal-Band gebucht – aber an den Rändern gibt es durchaus Nuancen und Abwechslung.“
Was das Fair-Weather-Fest von anderen Veranstaltungen unterscheidet, ist nicht nur das Konzept, sondern das Warum dahinter. Die vier Macher verzichten bewusst auf Sponsoren – auf dem Plakat findet sich kein einziges Unternehmenslogo. Gefördert wird von der Stadt Bremen und der Waldemar-Koch-Stiftung. Das Ziel ist keine Gewinnmaximierung, sondern die schwarze Null: Alle Bands bekommen eine Gage, niemand schießt privates Geld nach.
Claas Reiners bringt es auf den Punkt: „Wir machen kein Festival, stellen ein paar Bands hin und verdienen nachher alle einen Haufen Geld. Das ist überhaupt nicht so. Es soll ein komplett rundes, schönes Wochenende sein, wo alle Menschen irgendwie gleich sind – vor oder hinter der Bühne.“
Und dann, auf die Frage, worauf er sich am meisten freue: „Ein paar Tage die ganze Scheiße, die auf dieser Welt passiert, vielleicht auch so ein bisschen ausblenden. Und feststellen, dass nicht alle Menschen auf dieser Welt Arschlöcher sind, sondern dass es einen Kern von Leuten gibt, die auf der richtigen Seite stehen. Die auch gemeinsam eine Zeit miteinander verbringen können – ohne Gewalt, ohne Sexismus, ohne Faschismus und den ganzen anderen Kack, der draußen so passiert. Sonst dreht man ja auch irgendwie durch in dieser Welt.“
Das ist der Resonanzboden, um den es geht. Und der – das hat 2025 gezeigt – entsteht, wenn man den richtigen Rahmen schafft.
Fair-Weather-Fest 2026
Wann: Freitag, 5. Juni & Samstag, 6. Juni 2026,
Einlass: ab 17:30 Uhr
Wo: Kulturzentrum Lagerhaus, Lila Eule, Calavera, Eisen – alle im Ostertor-/Steintor-Viertel
Tickets: ( auf Website Fair Weather Fest )
Tagesticket ca. 35 €, 2-Tages-Pass 55 €, Supporter-Pass 75 €
VVK: Titus Skateshop Bremen (Ostertorsteinweg 1)
Alle Infos, Timetable und Resttickets: fairweatherfest.de
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