Eine der interessantesten neueren Formationen der letzten Zeit ist wohl die Progressive Band „Rubber Tea“. Die fünf Mid-Zwanziger die man wohl durchweg als Multi-Instrumentalisten bezeichnen darf, haben trotz ihrer jungen Jahre bereits ihren eigenen „Rubber-Tea-Bandsound“ gefunden und  präsentieren ihre Musik mit überzeugender Geschlossenheit und nicht nachlassendem musikalischem Einfallsreichtum.

Dabei gibt es die Band eigentlich noch gar nicht so lange. Aus Jamsessions hervorgegangen beschlossen die 5 im Jahr 2017, damals alle um die 20 J., ihr Projekt als feste Band weiterzuführen. Den Bandnamen verdankt die Band übrigens einer stehengelassenen Teetasse im Proberaum, die irgendwann wiederentdeckt nur noch eine gummiartige Masse enthielt (Gummitee = Rubber Tea).

Bereits ein Jahr nach Bandgründung 2018 schrieb man gemeinsam am ersten Album, spielte bereits recht gut gefüllte Festivals (z.B. das „Burg Herzberg Festival) und veröffentlichte 2020, nicht mal 3 Jahre nach Gründung, das Debüt Album „Infusion“ beim Label Sireena. Das davon viel zu erwarten war, deutete sich an, und siehe da: die allgemeinen Rezensionen lobten das handwerkliche Können, tiefgründige Texte, das gute Songwriting;  die progressive Rock Enzyklopädie „Babyblaue Seiten“, nannte den Longplayer  sogar „..ein überraschend reifes Debütalbum“.

Auch die bisherige Coronazeit lies Rubber Tea arbeits-eifrisch anscheinend eher unbeindruckt: Neben der Arbeit zu „Infusion“, veröffentlichte die Band, als separat-at-home- musizierende „Quarantina-Band“, einige gelungene Coverversionen von z.B. den Punch Brothers oder Frank Zappa.

Und was passiert aktuell so bei Rubber Tea ?
Ich habe der Band ein paar Fragen per E-Mail gestellt, die Lennart Hinz (Keyboard) und David Erzmann (Bass) netterweise schnell und unkompliziert beantwortet haben.

Was machen Rubber Tea im Moment ?

Vor kurzem haben wir uns mit dem Label Tonzonen Records verständigt, die unser zweites Album veröffentlichen werden. Darüber freuen wir uns sehr ! Jetzt heißt es, die letzten Songs schreiben, das Albumkonzept ausfeilen und dann kommt noch das Recording. Das macht schon jetzt viel Spaß und wir proben dafür sehr regelmäßig.

Progressive Musik macht euch Spass, das merkt man einfach. Welche Vorbilder habt ihr und was findet ihr an progressiver Musik generell so gut/ vielleicht sogar: inspirierend ?

Natürlich gehören zu unseren Vorbildern auch die klassischen Progressive Rockbands der 70er Jahre, also Genesis, King Crimson, Pink Floyd etc. Auf unseren neueren Aufnahmen kommen auch einige Jazzeinflusse hinzu, vor allem aus dem Jazz Fusion Bereich von früher (Mahavishnu Orchestra, Weather Report) bis heute (Jacob Collier, Snarky Puppy, Tatran, …). Allgemein hören wir auch viel Aktuelles, von Indie/Pop (z.B. Villagers, Sufjan Stevens) bis zu experimenteller Musik (Black Country New Road). Das Tolle an progressiver Musik ist, dass man innerhalb des Genres wenig stilistische Einschränkungen hat und darum ziemlich kompromisslos vorgehen kann. Natürlich ist es nach wie vor sehr wichtig, trotzdem songdienlich zu komponieren, aber man muss sich nicht so sehr an enge Genrebegrenzungen halten. Man kann also seiner Kreativität und Fantasie wirklich freien Lauf lassen.

In der bisherigen Coronazeit wart ihr im Vergleich zu vielen anderen Projekten doch sehr aktiv. Ihr habt nicht nur euer erstes Album releast, ihr habt auch diverse Coversongs im Rahmen einer Quarantäne Band als Videoclips herausgebracht (z.B.“Julep“ von den Punch Brothers oder „I m the Slime“ von Frank Zappa). Corona scheint eure allgemeine Euphorie kaum gebremst zu haben..

Wir haben uns Anfang 2020 tatsächlich gut organisiert und waren sehr motiviert durch das bevorstehende Release (unser erstes Album „Infusion“ kam im Juni 2020 raus). Wegen Corona war es dann erstmal verboten, zusammen im Proberaum Musik zu machen. Wir haben dann festgestellt, dass es erstaunlich viel Spaß macht, auch mal Cover zu spielen, da das natürlich viel einfach ist und weniger Planung erfordert, als eigene Songs zu schreiben. So war das eine gute Beschäftigung in einer Zeit, wo man ja sonst eh nicht viel zu tun hatte.

Ist Songwriting bei euch mehr Denk- oder mehr Jamsache ?

Definitiv mehr Denksache. Aber Jammen macht uns auch Spaß. Aus einem Jam einen aussagekräftigen Song(-Part) zu entwickeln, erfordert dann aber erstmal auch wieder einiges an Denkarbeit. Gerade etwas ungewöhnlichere Ideen entstehen bei uns eigentlich nur, wenn man sich in Ruhe zuhause etwas überlegt. Beim Jammen spielt man ja schon schnell auch immer wieder die Sachen, die einem so in den Fingern liegen und die man irgendwie immer spielt. Und davon versuchen wir uns bewusst frei zu machen. Damit sich die Ideen letztendlich natürlich anfühlen und anhören ist es für uns aber auch wichtig, über diese gemeinsam zu jammen.

Euer erstes Album „Infusion“ beim Label „Sireena-Records“ wurde allgemein sehr gut aufgenommen und Ihr habt für 2022 auch mal ein neues angekündigt habe ich zumindest irgendwo gelesen. Darf man schon gespannt sein ?

Wir arbeiten gerade intensiv an einem Konzeptalbum, zu dem wir auch schon die meisten Songs geschrieben und auch teilweise als Liveversionen auf Youtube veröffentlicht haben. In der zweiten Hälfte von 2022 sind wir hoffentlich mit dem Songwriting und Arrangement fertig und können anfangen, die neuen Songs aufzunehmen! Das Album wird also wahrscheinlich Mitte 2023 erscheinen.

Im Zuge der „Greeenhouse Session“ habt ihr bisher 2 Songs als Videoclips veröffentlicht, nämlich „Desert Man“ und „The Gate“ sind das Songs vom neuen Album ?

Die Greenhouse Session mit insgesamt 3 Songs (der dritte ist in Arbeit), ist ein Sneak Peak ins neue Album. Allerdings sind die Songs dort bewusst in alternativen „Live Versionen“ performt, wie sie nicht direkt auf dem Album erscheinen werden. Neben den Songs der Greenhouse Session haben wir sogar schon Ende 2020 mit „Silence Answer Me“ und „Go“ zwei weitere Songs des neuen Albums als Liveversionen veröffentlicht.

Frühlingszeit – Beginn der Livesaison. Zum Glück mit erleichterten Corona Regelungen.Wann bekommt man Rubber Tea 2022 live zu sehen ? Ist schon was fix ?

Nur wenig, aber man darf auf die Breminale hoffen ! Unsere Hauptpriorität liegt für dieses Jahr darauf, das Album fertig zu stellen. Wenn das erledigt ist werden wir voraussichtlich nächstes Jahr zum Release deutlich mehr Konzerte spielen !

Ich bedanke mich sehr herzlich für das Interview !

 

Autor: Markus Schaedel

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