Foto: Laturb

LATURB im Interview

26.06.2022, Markus Schaedel, Lesedauer: 5 Min

Laturb sind schrill. Die drei Bremer*innen (Cordel, Anne und Tim), die alle noch andere künstlerische Hintergründe haben, präsentieren in ihrem Bandprojekt eine Mischung aus 80er-Jahre Synthie-Pop, NDW, Punkrock, Rap und einigem pop-haltigem mehr. Laturb sind trashig, fröhlich und immer im Vintage-Klamotten-Stil unterwegs; dabei aber fast immer auch mit sozialkritischen Texten voller aktueller Brisanz im Gepäck (die anderen „großen“ Popmusikern eigentlich oft fehlt..).
Ihre Bühnenshow beschreiben sie als „eine synth-haft gute Musik-Performance-Show, die voller Überraschungen in eine dunkelbunte Glitzerwelt entführt, in der wie aus dem Nichts auch mal skurrile Gestalten (Gastkünstler) auftauchen können, um kurz darauf wieder in der Dunkelheit zu verschwinden.“ Das ist absolut nicht übertrieben und ein viel gelungenes und abwechslungsreiches Programm für eine Band, die es erst seit gut zwei Jahren gibt.
Nach ihrer Gründung 2019 folgte 2020 das Eröffnungskonzert in der Schwankhalle Bremen (gleich mit Video-Komplett-Aufzeichnung) und weitere Konzerte u.a. im Theater Bremen, United We Stream, Schanzenzelt Hamburg, sowie Support für ‚Erregung öffentlicher Erregung‘ und ‚Muff Potter‘. Danach folgte Anfang 2022 die Video-Single ‚Sinnkrise‘. Finanziert durch eine Crowdfunding-Kampagne, releasten sie nun im Mai 2022 ihr Debütalbum „All work and no play“ und bekamen damit die Aufmerksamkeit von lokalen und überregionalen Medien, wie Weser-Kurier, taz oder Plastic Bomb, die die Band bereits vorstellten. Höchste Zeit also auch für uns, den Dreien ein paar Fragen über ihren Werdegang, ihre Musik und ihre Band-Philosophie zu stellen.

Laturb live (Foto: Mateo Matiz)
Laturb live (Foto: Mateo Matiz)

Warum führt in eurem Single-Videoclip „Sinnkrise“ eine Pudel-Frau, ´Ullah´, einen Autor vom´Plastic Bomb Magazin´ an der Leine durch die  Bremer City ? (der Arme..)

Es war Winter, es war kalt, Ullah brauchte das Geld…

Irgendwo habe ich gelesen, dass man euren Bandnamen rückwärts lesen muss, um seine Bedeutung zu verstehen. Worauf genau bezieht sich dieser Begriff in eurer Band-Philosophie ?

“Brutal” ist ja genau wie “krass” ein verstärkendes Adjektiv für alles Mögliche: Brutal schön, brutal wütend, brutal poetisch, brutal brutal…Es steht im Grunde genommen dafür, dass alles, was wir tun, mit einer gewissen Intensität und Wichtigkeit geschieht. Und das ganze dann rückwärts, weil es vielleicht doch nicht so wichtig genommen werden sollte, wir sind ja schließlich keine Moped-Gang…:)

Wie hat sich Euer Projekt gegründet? Wart ihr vorher schon in anderen Projekten in Bremen/umzu aktiv ?

Wir sind seit etlichen Jahren Teil des Bremer Anarcho-MafiaVarité, das einmal jährlich in der Schaulust stattfindet und haben uns da teils auch kennengelernt. Cordel und Tim spielen in der Band, Anne ist Artistin und Teil der Regie-Crew. Vor diesem Hintergrund ist die Idee von Laturb entstanden. Tim und Anne spielen außerdem in verschiedenen (Post-) PunkBands (Die Absage, Bernd Wand, Latent Genervt), Anne arbeitet bei den Bremer Klinikclowns und in diversen Circuskontexten, Cordel ist Illustratorin… so haben wir alle unsere künstlerischen Skills mit rein gebracht.

Die Grund-Themen in euren Songs sind oft durchaus ernst. Da geht es ja viel um aktuelle gesellschaftliche Themen, z.B. Arbeit vs.Ausbeutung, Digitalisierung, Geschlechterrollen vs. Akzeptanz usw.. Ich habe dabei den Eindruck dass euch diese Themen wirklich am Herzen liegen. Kann man sagen dass ihr sehr engagiert/informiert – sogar genervt seid von vielen verschiedenen Themen heute?  Wie wichtig seht ihr die Rolle des Musikers da?

Ja, politische Themen sind uns wichtig. Wobei wir allerdings ein paar von dir aufgezählte Punkte nicht als „versus“ begreifen. Arbeit unter kapitalistischen Verhältnissen geht immer – egal wie gut oder „fair“ bezahlt – mit Ausbeutung einher. Zu heteronormativen Geschlechterrollen gehört mittlerweile die Akzeptanz von „abweichenden“ Geschlechterrollen und Beziehungsmodellen dazu – zumindest offiziell. Die Akzeptanz hat aber ihren Preis, nämlich dass ständig bewiesen werden muss, einen ebenso nützlichen Beitrag zu dieser Gesellschaft zu leisten wie die heteronormative Mehrheit: Sich positiv auf die bestehende Ordnung beziehen, Reproduktionseinheit sein, Kinder/ neue Staatsbürger*innen erziehen etc. Insofern sind wir nicht so Fans von Toleranz / Akzeptanz (auch wenn das natürlich erstmal Erleichterung für etliche Menschen bedeutet), sondern mehr von einer Welt, wo die erwähnten Nützlichkeitskriterien nicht gelten und einfach egal ist, wer wie ist oder wen liebt…

Unsere Rolle als Musiker*innen sehen wir darin, bestimmte Themen anzusprechen, empowernd zu sein, stolpern zu lassen. Welchen Reim sich dann Leute letztendlich auf unsere Texte machen, haben wir nicht in der Hand. Es ist ja schließlich kein Vortrag, sondern Kunst und das ist es nur, wenn es Interpretationslücken gibt und nicht alles erklärt wird. Es ist aber super, wenn unsere Texte Denkanstöße geben, die dann später bei einem Bier diskutiert werden.

Wenn man Laturb live sieht ist man schon beeindruckt von den vielen Showeinlagen und Gastauftritten, die ihr so bietet. Ein richtiges schrilles Entertainment-Programm. Wie kam es dazu ?

Die Vision dazu hatten wir von Anfang an, wir wollten nie eine „normale“ Band sein, sondern hatten immer schon Bock auf performative Elemente und auch darauf, Plattform für andere Künstler*innen zu sein.

Euer Album „All work and no play“ ist am 13.Mai 22 erschienen. Wie zufrieden seid Ihr bis jetzt mit der VÖ/Feedback? Irgendetwas von „Stolze  Eltern“ hattet ihr glaube ich irgendwo auf Social Media gepostet..

Haha, ja, stolze Eltern sind wir schon, irgendwie fühlt es sich ja tatsächlich an, als hätten wir ein kleines ein Monster (siehe AlbumCover) zur Welt gebracht. Hat allerdings etwas länger gedauert als 9 Monate. Quasi das Gegenteil von Frühchen. Feedback kriegen wir relativ viel und sehr positives, wobei es z.B. mit den Radios eher schwierig ist. Wahrscheinlich hätten wir das Ganze auch noch wesentlich besser vorbereiten können, sollen, wollen…..aber gleichzeitig haben wir auch immer kein Bock, uns den ganzen Konjunktiven und “vernünftigen” Zeitplänen zu beugen und wurschteln uns dann irgendwie durch. Friedel Muders von FUEGO hat uns auf jeden Fall sehr supportet bei der ganzen VÖ!

Auch Live überzeugen Laturb – das hört und liest man und auch bei eurem Album-Releasekonzert am 14. Mai 22 in der Spedition /Bremen war die Stimmung recht bombig. Gibts davon noch irgendetwas zu sehen/hören (ein Live-Video oder Ähnliches? ) Was kommt live in diesem Jahr (natürlich unter dem Vorbehalt „Corona“) ?

Es gibt ein paar (schlechte) Handyvideos 🙂 Ansonsten muss man die Menschen die da waren ausfindig machen und ihr bildhaftes Erinnerungsvermögen befragen. Aber ja, war ganz fantastico! Dieses Jahr stehen u.a. noch Konzerte auf der Fusion, der Breminale und beim AMS Festival an und eine Tour im Herbst, wahrscheinlich Richtung Ruhrpott und Süden…Immer her mit euren Anfragen! 🙂

 

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