Foto: Skyshaper

Bandvorstellung: SKYSHAPER – Methamorphischer Rausch

Markus Schaedel, 30.03.2025

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Die 4 Bremer machen im Progressive Metalcore keine Kompromisse und finden so auch zu ihren eigenen Klangsphären

Auch im Djent-durchsetzten Progressive Metalcore ist es inzwischen, ob seiner Breite schwerer geworden, Bands zu finden, die nicht nur technisch mustergültig wirken, sondern auch eine unverwechselbare Klangwelt kreieren können. Skyshaper aus Bremen gelingt dies mit durchaus überzeugender Eigenständigkeit. 

Seit ihrer Gründung 2019 bewegen sie sich zwar nicht ausschließlich nur abseits der ausgetretenen Genre-Pfade, aber sie verschmelzen Djent, Metalcore und progressive Elemente zu einer  monumentalen, fast apokalyptischen Atmosphäre, die gleichzeitig zerbrechlich und überwältigend wirkt.

Skyshaper entstanden, als Schlagzeuger Yannik bereits vor 2019 zufällig Gitarrist Max traf. Beide erkannten schnell ihre kreative Chemie, und als sie 2019 Sänger Jannik per Anzeige fanden, stieß kurz darauf dessen Freund Leon als Bassist hinzu, der später zur Gitarre wechselte. In dieser endgültigen Formation schrieben sie ihre Debüt-EP „Skyshaper“ (2021), deren neun Songs innerhalb nur eines intensiven Monats entstanden – ein kreativer Rausch, der bis heute nachwirkt und den sich die Band eigentlich immernoch nicht so recht erklären kann. 

Damals war Djent als Stilistik noch zentral, mittlerweile hat sich die Band aber in komplexere Gefilde vorgewagt. Der Sound wurde düsterer, persönlicher, kompromissloser und zunehmend experimenteller.

Was Skyshaper dabei von anderen Bands unterscheidet, ist ihre Fähigkeit, musikalisch und textlich eine Atmosphäre zu kreieren, die dystopisch-gewaltig, fast filmisch und doch irgendwie verloren wirkt. In Songs wie „Gradient“ oder „Possessor“ von ihrer zweiten EP „Transition Becomes a State of Its Own“ (2024) verbinden sie heftige Gitarrenwände, präzise Rhythmik und schmerzhaft offene Texte mit der charakteristischen, fast kreischenden Stimme von Sänger Jannik auf diese eigene Weise. Sie scheint vor überdimensionierter Kulisse verzweifelt nach Antworten zu screamen, die niemals kommen werden.

Die Band stellt bewusst Fragen, die gesellschaftlich unbequem und absolut relevant sind: Wie bleibt man authentisch, wenn Social Media uns zu bloßen Abbildern unserer selbst macht ? Und wenn dies Entfremdung fördert, statt Verbindung? Wo soll da noch Raum für menschliche Zukunft sein ? Oder: Wie entkommt man als junger Mensch eben jener Zukunft, die zunehmend apokalyptisch anmutet ?

Skyshaper finden keine einfachen Antworten, doch gerade ihre musikalische Offenheit und Ehrlichkeit ziehen den Hörer tief in ihre Klangwelten hinein und lassen diese Fragen wahrhaftig spürbar werden.

Yannik betonte im Interview, dass  Texte bei ihm aus echten persönlichen Erfahrungen hervorgehen müssen, niemals nur abstrakt oder rein metaphorisch sind – zumindest nicht in ihrem Ursprung. Diese Direktheit verleiht den Songs Glaubwürdigkeit, schlägt sie sich doch übrall nieder und ist in jedem Takt spürbar. 

Auch stellen sie sich bewusst gegen die zunehmende algorithmische Oberflächlichkeit der Musikwelt, produzieren ihre Musik und ihre Videos größtenteils selbst und setzen auf eine starke Verbindung zu ihren Fans.

Die vier stehen so in einer Reihe mit Bands wie Sleep Token, Loathe oder Spiritbox, die ebenfalls Authentizität und kreative Freiheit über rein digitale Reichweite stellen. Doch während diese Acts teilweise stärker auf spirituelle Mystik (Sleep Token) oder harte Kontraste (Loathe) setzen, erschaffen Skyshaper Bilder, die ungefilterter, unschöner Ausdruck einer Generation sind, die sowohl ihre Verletzlichkeit als auch ihre Stärken selbstbewusst kommuniziert.

Ihre Musik kommt somit einer direkten Aufforderung nach gesellschaftlicher Selbstreflexion gleich, ebenso einer entschlossenen gemeinsamen kreativen Reaktion auf die Probleme unserer Zeit, denn nur so lassen sich wirkliche Veränderungen herbeiführen.

Fazit: Skyshaper haben nach ihren ersten 4 Bandjahren bewiesen, dass sie eine individuelle Stimme im Progressive Metalcore sein können. Ihr bedrückend-gewaltiger Sound und ihre selbst-offenbarenden Texte sind dabei nicht bloß stilistische Entscheidung sondern eine bewusste Aussage über die siechende Welt, in der wir leben, und über die Notwendigkeit, in ihr etwas Echtes und Menschliches zurückzuerobern und zu bewahren.

Foto Credits: Skyshaper

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