8. Mai 2022

BLUE SKY THEORY – Bandstory zum Albumrelease „We are the Sky“

Titelfoto: Bengt Jäschke

Blue Sky Theorys Debüt Album „Cassandra“ (2016) war ein echter Überraschungserfolg, denn es bewies dass moderner Alternative-Metal mit Melodie und Härte möglich ist ohne dabei wie ein verblasstes Klischee zu klingen. Die 9 Songs in ihrer ganzen Beginner-Euphorie vorgetragen, rissen so manchen Metal-Hörer vom Stuhl und sorgten so auch recht schnell für eine ordentliche Fanbase des Projekts- nicht nur innerhalb Deutschlands.

In den letzten 2 Jahren war es nun generell etwas stiller in der Musikbranche, aber wie viele andere Bands waren auch BST alles andere als untätig und haben am 22. Februar 2022 nun ihr 2. Album  „We are the Sky“ veröffentlicht. Eigentlich eine gute Gelegenheit, mal mit Ben Schön (Gründer / Gitarrist), Daniel Pajak (Gitarrist/ Bandleader) und Patrick Timmermann (Vocals) zu sprechen um etwas mehr über die Band, ihren Werdegang und die Entstehung ihres neuen Albums zu erfahren und eine kleine Bandstory über ´Blue Sky Theory´ daraus zu stricken.

Als vor ungefähr 10 Jahren (2011) Ben Schön, Bassist in Blues- und Coverbands feststellte, dass er eigentlich gar nicht mehr so recht Lust auf die übliche Pentatonik-Mucke hatte und lieber mit Sounds in Richtung Hardrock/Metal experimentieren wollte, war ihm vielleicht noch nicht 100%-ig klar, dass er eigentlich dabei war ernsthaft ein eigenes Bandprojekt auf die Beine zu stellen. „Irgendwann begann ich damit, eigene Ideen aufzunehmen und später auch nach Musikern mit den gleichen Ambitionen und Spaß an der Sache zu suchen.“ erinnert er sich heute. Willige Leute für das Projekt fanden sich schnell im Musiker-Kollegen Kreis, wechselten zu Beginn aber auch noch hier und da.

Ein Gitarrist dieser ersten Stunde war Daniel Pajak, der heute Bandleader und Verantwortlicher für die Videoproduktion der Band ist: „Wir hatten damals einfach Spass unsere Songs zu spielen, waren neugierig was möglich ist und wie Leute das so finden. So richtig kann aber wohl niemand sagen, in welchem Jahr das Ganze angefangen hat, eine richtige Band zu werden“. Insgesamt vergingen fast 3 Jahre der Rumprobiererei mit einigen Personalwechseln – auch ergab sich in dieser Zeit der Bandname „Blue Sky Theory“, den einer der ersten Drummer namens Nima in seinem Austauschjahr in den USA aufgeschnappt hatte.

Das wohl Wichtigste dieser Jahre waren jedoch die Songs, die man nebenher geschrieben und produziert hatte. „Die ersten Versuche, solche Mega Songs wie z.b.die von „Alter Bridge“ zu schreiben, endeten in Nummern wie „It All Ends The Same“ oder „The Covenant“, weiss Ben Schön noch. „Viele andere folgten dann schließlich z.B. aus persönlichen Erlebnissen, wie sich gemachte Fehler einzugestehen und es zu bereuen („End of the road“). Alle 3 Songs fanden sich später übrigens auf dem Debütalbum „Cassandra“ wieder.

2015 schliesslich hatte die Truppe nicht nur einige interessante Demos angehäuft und Live Erfahrung in HB/Umzu gesammelt, sie hatte auch mit Patrick Timmermann (Vocals) das letzte passende Bandmitglied gefunden. Ben Schön: „Für mich persönlich war das alles wie ein 6er im Lotto. Die Leute waren menschlich schwer in Ordnung und musikalisch und live erfahren.“ Der erste offizielle Gig dieser bis heute bestehenden Formation fand ebenfalls 2015 in Goslar statt.

Cassandra

Was nun folgen sollte, war allen sonnenklar: Das erste Album. Aufnahmeort sollten die Kohlekeller Studios (bei Frankfurt/Main) sein und weil die Band recht gut eingespielt war, konnte das Ganze auch zügig  aufgenommen, gemixt und gemastert werden. „Cassandra“ hies das Debütalbum und es erschien 2016. Ausgekoppelt daraus wurden zunächst die Single und der dazugehörige Videoclip zu: „This Day“, etwas später der Song „Nil“ und schliesslich, viel später (2019) der Song „End of the Road“ (mit Videoclip).

Mit dem Feedback, das auf das Album-Release folgte hatte allerdings niemand gerechnet. Die Rezensionen in Magazinen (z.B. Rockhard, Deepground ..u.v.m.) waren durchweg positiv – man lobte hauptsächlich den „frischen Wind“ den die jungen Alternative Metaller in den Metal-underground brachten, und die allgemeine Qualität der Songs.

Eine der frisch gepressten CDs hatte die Band an die Redaktion von Powermetal.de geschickt, die sich auch spontan für das Album begeisterten, es mit mit 9 von 10 Punkten rezensierten und diese Story auch in dem Review zusammenfassten. Ben Schön: „Um ehrlich zu sein rechnete ich nicht damit, so viel Feedback zu bekommen. Für unsere damaligen Verhältnisse ging das schon ganz schön ab – immerhin kannte uns ja keiner: Viel positive Kritik, gute Bewertungen in Magazinen und natürlich viel lobendes Feedback bei den LiveShows. Wir waren echt überrascht und das gab uns nochmal um so mehr Selbstvertrauen.“

Und das völlig zu recht. Ihr Debüt hatte klar überzeugt und dieser Erfolg verschaffte der Band einige Fans in Deutschland und darüber hinaus.

Monster und Trumpf

In den nächsten 3 Jahren folgten einige Gigs, darunter auch Band-Contests die die Band insgesamt recht erfolgreich betstritt (u.A. Local Heroes HB, Metal Hammer Paradise, Emergenza Bremen..u.A.)

2017 dann trennten sich die Wege kurz weil Sänger Patrick im Rahmen seines Studiums für ein Austauschjahr nach Mexico-City ging. Die Band beschloss, diese Übergangszeit zu nutzen um an neuen Songs zu arbeiten – was sollte man sonst tun ? Für die Arbeit waren auch Studio-Aufnahmen vorgesehen – man hatte sich diesmal für die etwas näher liegenden Chameleon Studios und Produzent Bengt Jäschke in Hamburg entschieden. Dort entstanden schliesslich die 2 Singles, Monster (2017 – und Videoclip) und „Trumpf „ (ein Song auf deutsch) (2017 – Videoclip ) die später auch noch von Frontmann Patrick eingesungen wurden.

Dieser erlebte derweil in Mexiko City zwar äusserst Gutes, denn er lernte seine Frau dort kennen, allerdings auch wirklich Schreckliches, denn die Region Mexico-City erlebte im September 2017 eines seiner schlimmsten Erdbeben mit über 36o Todesopfern. Patrick Timmermann: „Das Erdbeben war wirklich schrecklich. Danach war in der gesamten Region Katastrophenalarm und wir standen 3 Tage lang in den Strassen, sammelten Trümmer auf und hörten dabei die Schreie der Verschütteten. Für mich ein wirklich belastendes und bis heute traumatisches Ereignis.“ Die Hin-und Hergerissenheit der starken Emotionen um die sowohl sehr schönen und sehr furchtbaren Erlebnisse verarbeitete er später in dem Song „Te vas A Morir Aqui“.

We are the Sky

Als die Band 2018 wieder vereint war, stand für alle fest, dass ein neues Album folgen sollte, nicht nur weil die letzte Zeit einiges neue Material mitsich gebracht hatte.“Ich fand die Vorstellung von einer CD die sich eher wie ein „Best Of“ anhört oder wie eine Compilation sehr interessant“, verrät Ben über seine Konzeptvorstellungen. Die Band buchte einen recht nahen Studiotermin (wieder in den Chameleon Studios Hamburg), auch um sich selbst etwas Druck für die Vorproduktion zu machen.“Angefangen haben wir mit dem Album dann im März 2020″ berichtet Ben.“Der letztliche Workflow war aber mit dem von Cassandra nicht zu vergleichen.“

Das lag auch daran dass die Vorproduktion aufgrund des so nah gewählten Studiotermins bei Beginn der Aufnahmen noch nicht ganz abgeschlossen war. Ben: “Wir merkten das wir die Messlatte sehr hoch gelegt hatten – einige Songs hatten noch keine Texte, andere  wurden in der Struktur erst im Studio umgebaut. Gemeinsam mit Bengt Jäschke haben wir an der Scheibe schliesslich ca. 6 Monate gearbeitet (natürlich mit Pausen). Bengt hat dabei wirklich sehr gute Producer Arbeit geleistet und uns gut unter die Arme gegriffen.“

Die erste Auskopplung des neuen Albums erschien bereits am 6. Juni 2021. Der Song und der dazugehörige Videoclip zu „Burn me alive“, war aufwendig produziert in der Aladin Music Hall Bremen und scheint die Fans sichtlich überzeugt zu haben – wie über 10.000 Klicks und die über 70 durchweg guten Kommentare zum Video auf YT belegen dürften.

 „We are the Sky“ erschien nun am 22. Feb. 2022. Weil das leider auch der Tag des Kriegsbeginns in der Ukraine war, blieb die Veröffentlichung insgesamt wohl aber unbemerkter als erhofft.

Kurzrezension und Ausblick

Meiner Meinung nah ist es BST mit dem Longplayer gelungen, ihr ´Best of Album Konzept´gut aufzuziehen. Die 9 Songs bieten Vieles – von straightem Rock mit melodiösem Chorus („We are the sky“), über Balladen („For a friend“, „Old Man“), einem eher rap-orientierten Song („Epidemical“), bis hin zur Powerballade („All the Kingdoms“).
Markant ist auch der Song „Te vas A Morir Aqui“ – ein Song von Frontmann Patrick Timmermann, komplett auf spanisch, in dem er seine Erlebnisse in Mexico verarbeitet. Textausschnitt: (übersetzt) „Herzlich willlkommen in der Stadt Ihrer Träume und Albträume meine Damen und Herren ! Sie werden hier sterben.“)

Insgesamt finde ich, dass die Qualität der Songs und der gesamten Produktion überzeugt – nichts anderes war auch zu erwarten. BSt machen was sie wollen, sie machen es gut, straight und professionell. Der frische Wind, der noch auf Cassandra zu spüren war, hat vielleicht ein wenig nachgelassen, aber das sei diesen Zeiten voller Zwangs-Bandpausen (und vielleicht ein bisschen auch der langen Produktionszeit ?) geschuldet. Unwichtig. Wichtiger ist da schon eher, das Ding auf die Bühne zu bringen und der Welt zu zeigen, dass man es es ihr nun auch zeigen möchte.

Die Gigsituation für 2022 ist leider derzeit noch etwas unklar, wie Daniel Pajak zugibt: „Das hängt natürlich davon ab, wie die Beschränkungen der Livebranche so sind. Und der größte Faktor ist die Band selbst. Da die Band nur als Hobby betrieben wird, müssen alle Bock und Zeit haben zu spielen und vorher auch ausgiebig wieder zu Proben bzw. wieder in einen Arbeitsmodus zu kommen. Evtl. wird im Sommer/ Herbst wieder was gehen. Einige Anfragen sind zwar das ist aber noch nichts entschieden.“

Also ich wünsche der Band und den Fans dass da 2022 vielleicht doch noch irgendetwas klappt, denn schade wäre es ja schon irgendwie nach soviel Arbeit. Das Feedback von Crowd und Presse wird mit Sicherheit in Ordnung sein (war es ja sonst bei den Live-Fähigkeiten der Band auch immer..) und der Truppe die Erkenntnisse bringen, die jede Band zur Weiterentwicklung eigentlich immer benötigen kann.
Aber wie es auch immer kommen mag, klar dürfte sein dass Blue Sky Theory in der Lage sind, professionelle Alben zu produzieren die jeden Hardrockfan mitreissen können. Das brauchen sie nach „We are the Sky“ nun endgültig niemandem mehr zu beweisen.
 
(Autor: Markus Schaedel)
 

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