31.05. 26 , Markus Schaedel
Nach 28 Jahren Albumpause kehrt die Bremer Crossover-Legende mit „Doomsday for Democracy“ zurück – und klingt aktueller denn je
Die Neunziger waren das Jahrzehnt der Permissivität: In der Musik war alles erlaubt, Genre-Grenzen existierten nur, um überwunden zu werden. Thrash traf auf Hardcore, Hardcore auf Punk, und aus diesem Schmelztiegel entstanden Bands, die sich keiner einzigen Schublade unterordnen wollten. Bremen war in dieser Zeit ein besonders lebendiger Hotspot für harte Musik – und mittendrin, 1992 gegründet, befanden sich KOMAHAWK. Eine Band aus der Weserstadt, die den Crossover-Sound mit einer Wut füllten, die damals ebenso berechtigt war wie heute.
Jetzt, im Frühsommer 2026, sind sie zurück. Am 12. Juni erscheint das neue Album „Doomsday for Democracy“ über Fuego Records, am 13. Juni steht die Release-Show in der Bremer Zollkantine an.
Noch im Gründungsjahr 1992 erschien das erste Demo „Nothing Is Forever“. Zwei Jahre später, 1994, folgte das Debütalbum „No Hope For Tomorrow“ – ein Brett, das klarstellte, dass KOMAHAWK das Crossover-Genre nicht mit halbherzigen Kompromissen betraten, sondern mit einem Sound, der aus Thrash, Hardcore und Punk konsequent das Härteste herauskellerte.zollkantine.
Was folgte, war eine Karriereentwicklung, die viele Bremer Bands damals nicht hinbekamen: eine Europatour 1996 als Supportact der amerikanischen Thrash-Legenden Sacred Reich – einer Band, die für politischen Thrash der ersten Stunde stand. Im selben Jahr erschien das zweite Album „Slow“, das vom Magazin Rock Hard als Werk einer Band rezensiert wurde, „die sich in der aktuellen Metal-HC-Punk-Kreuzüber-Kiste sieht.“ 1998 folgte mit „Rhytmo Fantastico“ das dritte Studioalbum – und dann, im Jahr 2000, Stille.
Was wie ein Ende wirkte, war keines. In der Bremer Szene entstanden neue Projekte – darunter die Band Capsize – und Frontmann Lars „Diggn“ Groß wurde Mitgründer von President Evil, einer Bremer Formation, die „im Geiste und Herzen das weiterführte, was mit KOMAHAWK Anfang der Neunziger begann.“ Groß behalf sich zudem als Live-Gitarrist bei den befreundeten Motorjesus – ein Mann, der seine Thrash- und Hardcore-Roots, wie er selbst sagt, „auf Ewig im Blut“ hat.saitenkult+2
Wer Groß live auf der Bühne sah – etwa beim Support für Motorjesus im Dezember 2018 im Hannoveraner Lux – ahnte, dass das letzte Kapitel dieser Bandgeschichte noch nicht geschrieben war. Die Saitenkult-Redaktion beschrieb die Mischung aus Thrash Metal und Punk damals als etwas, das „mit einem Bier in der Hand ganz gefällig rüberkommt“ – und bemerkte anerkennend den Sacred-Reich-Shirt am Frontmann.
Den ersten offiziellen Impuls zur Wiedervereinigung lieferte das 20-jährige Jubiläum des Debüts im Jahr 2014: ein exklusiver Gig in der Bremer Towerbar. Lars Groß erinnert sich: „Das hat denn so gefunkt, dass wir weiter geprobt haben. Wir sind ja kreative Musiker mit vielen Ideen, die raus müssen.
Vereinzelt tauchten KOMAHAWK in den Folgejahren wieder auf – als Support von Tankard (2018) und beim Silent Night Festival in der Zollkantine (Dezember 2018). Die Szene nahm sie auf, als wären sie nie weg gewesen. Dann kam Corona. Die erzwungene Ruhe nutzte die Band als Arbeitsphase – mehr Songs schreiben, Ideen bündeln, schließlich ein Album aufnehmen. „Wir haben dann wie früher am Wochenende geprobt, uns die Zeit genommen und die Ideen gemeinsam ausgearbeitet. Das Album haben wir im DIY-Modus im Proberaum Stück für Stück aufgenommen und alles am Ende bei mir zu Hause gemischt“, sagt Groß. Als erste Vorboten erschienen 2022 drei neue Tracks auf Bandcamp: „Blow On The Coals“, „New World To Kill“ und „Last Trip.“
Bereits die Songtitel lassen keine Zweideutigkeit entstehen, worum es geht: „The Bleeding“, „Rich & Dead“, „Doomsday For Democracy“, „Wrong Way Driver“, „Hellhole“, „Killing Lifegiver“, „The Hope Dies Last“. Das ist keine vage Gesellschaftskritik – das ist die Wut einer Band, die in den Neunzigern bereits benannt hatte, was die Welt falsch macht, und die jetzt festgestellt hat: Es ist schlimmer geworden.
Lars Groß bringt es auf den Punkt: „Die Welt hat sich nicht sonderlich gebessert. Songs wie ‚Thirst for Power‘, ‚No Hope For Tomorrow‘ und ‚Sick Society‘ sind aktueller denn je.“ Musikalisch bleibt das Album dem Kern treu: Thrash-Riffs, Hardcore-Groove, Punk-Direktheit – kein Nostalgieprojekt, sondern eine Gegenwartsplatte. Die erste Single „Blow On The Coals“ – erschienen im April 2026 mit Videoclip – gibt die Richtung vor: kompromisslos, aber handwerklich gereift.
Die Release-Show in der Zollkantine ist kein Zufall. KOMAHAWK kennen das Haus seit Jahren – hier spielten sie beim Silent Night Festival 2018, hier sind sie zuhause. Am 13. Juni 2026 feiern sie ihr Comeback mit Tyson aus Kiel (Thrash Metal) und Judas Hengst aus Bremen (Postcore) als Supports – regional und stilistisch unterschiedlich genug, um einen Abend zu ergeben, der die Bandbreite des Milieus abbildet.
Manchmal ist Weitermachen die politischste Aussage, die eine Band machen kann.
„Doomsday for Democracy“ | VÖ: 12. Juni 2026 | Fuego Records | Digital + limitierte CD via Bandcampvampster
Backkatalog: „No Hope For Tomorrow“ & „Slow“ ab sofort auf allen Streamingportalenffm-
Release-Show: Sa., 13. Juni 2026 | Zollkantine Bremen, Hansator 1 | Einlass 19:00 Uhr
Support: Tyson (Kiel) + Judas Hengst (Bremen)
Tickets: 10 € VVK / 12 € Abendkasse zollkantine.ticket
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