Foto: Markus Schaedel

Konzertbericht: Grillmaster Flash in der Flänzburch Oldenburg

30.04.2023, Markus Schaedel

Lesedauer: 2 Min, 598 Wörter

Am 21. April 23 spielte Grillmaster Flash zum Auftakt seiner „Einer gegen alle“ Tour in der Flänzburch in Oldenburg

Es war schon ein netter Abend hier in der ´Flänzburch´ in Oldenburg- auch wenn erstmal nichts darauf hingedeutet hatte, an diesem kühl-regnerischen Donnerstag.

In der In-Kneipe im gängigen Tingel-Tangel Couch Ambiente hier direkt am Julius Mosen Platz ist es schon rammelvoll – hauptsächlich junge Urbane um die 30 stehen hier erwartungsfroh mit Vorglüh-Bierchen bewaffnet – als Grillmaster Flash sich um Punkt Acht den Weg durchs Gedränge in Richtung Bühne bahnt und währenddessen locker mit den Leuten plaudert – vorwiegend übers Touren.“Ja alles nicht so einfach in diesen Zeiten..Einnahmen hier und da fallen sie weg..“ – (Eigentlich sollte ja Kassel der Tourauftakt dieser „Einer gegen Alle“-Tour werden. Das fiel aber aus weil dort nur schlappe 7 Tickets vorverkauft wurden.) „Deswegen musste ich schon wieder mal an meine Insolvenzkasse ran, nämlich mein Girokonto..“ gibt er zu. – und nicht nur dieser Gag sitzt heute. Überhaupt hat man den Eindruck, er hat die Stimmung hier irgendwie schon von Anfang an im Griff.

„Pleite gehen“ ist, passend zum Thema dann auch einer der ersten Songs heute Abend. Dabei fällt von Anfang an auf, dass das Ein-Mann plus Gitarre-Prinzip funktioniert – die Grillmaster Sounds mit ihren Dur – Moll Wechseln sind im Grunde bestens dafür gebaut. Die Stimme, die in höheren Lagen absichtlich auch mal überspitzt schief singt passt dazu und insgesamt klingt das Ganze harmonisch genug, um einen gut hineinzuziehen. Songtechnisch ist hier eigentlich alles vertreten, was aus den insgesamt 4 Grillmaster Alben seit 2015 hervor stach, von ´Bud Spencers Bart´(gabs ja schon vorher) über ´Ich war nie Rock and Roll´ bis ´Sottrum´- kommt alles gut und regt nicht wenige zum lautstarken Mitsingen an.

Zwischen den Songs gibt es die meist banal-komischen Enstehungsgeschichten dazu zu hören – direkt aus dem Grillmaster Alltag. Da können langweilige Peter Maffay Coverbands die vorm Marktkauf in Bremen-Nord spielen, genauso zu Inspiration werden, wie ein Skinhead, mit dem man in einer Pommesbude auf Hamburger Hauptbahnhof ein paar Worte wechselte, nebenher, oder die versehentlich eingelegte VHS-Pornokassete beim eigentlich romantischen Date mit der neuen Freundin.

Doch hat man dabei nie das Gefühl, dass das alles nie passiert wäre, die Glaubwürdigkeit des Grillmaster´schen Universums kommt auch live nicht eine Sekunde ins Wanken – Bei Grilli spiegelt sich das Gewöhnliche genau wie das Extravagante im Authemtischen wieder und sein Publikum weiss das zu schätzen.

Grosse Highligts lassen sich in der Show insgesamt allerdings nicht unbedingt ausmachen. Die Masse machts eher. Aber wenn nach einer gewissen Zeit seine melancholischen Kneipengitarrenklänge durch die Yuppiekneipe schrimmeln, wird es doch irgendwie Sommer hier drinnen und so soll es ja auch sein.

Am Ende hat er den Saal doch tatsächlich 2 Stunden entertaint..Respekt !! „Einer unterhält alle..“ müsste die Tour wohl eher heissen. Echt ein harter Job. Dabei kommt er erst jetzt so richtig in Fahrt; vielleicht weil so eine Show ja auch irgendwo hin gipfeln muss ?

Die Abschluss-ich-dreh-durch-Bühnen-equipment-zerstörungs-Orgie (Video auf Facebook) wird  zum anarchischen Höhepunkt wobei hier im wahnsinnigen Feedbackgepiepe des aufgedrehten Akkustikgitarren-Verstärkers natürlich alles schön ordentlich und sorfältig hingelegt wird, damit es auch ja keine Kratzer bekommt, versteht sich. Immerhin ist die Tour ja noch lang. Das Publikum kapiert den Humor natürlich und applaudiert begeistert. So isser halt, der Grilli.

„Das letzte Mal als ich hier in der Flänzburch war, habe ich vor 15 Leuten gespielt, erählt er zwischendurch.“Heute ist die Hütte schon ausverkauft..“ Ja, Grilli, beim nächsten mal muss dann mindestens die Kulturetage her, denn in Oldenburg scheint sich so langsam rumzusprechen, dass Grillmaster Flash live echt ein Erlebnis ist.

(M.Schaedel)

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